Neues Programm in Vorbereitung:

'Zwischen Bar und Barrikade'

- Ein biografisches Konzert -
 
'Und wo saß ick? Im Sofaplüsch des Seins,
die leichtgeschürzte Muse
im rechten Arm und links das Einmaleins
der Klassenkampfmeduse,
sang nachts das 'Stempellied', ritt morgens früh
zum Schrecken von Horst Wessel
mit Hegel und dem Weltgeist hottehüh
auf einem 'Weißen Rössl'.
(aus: Robert Gilbert: Leierkastenodyssee)
 

 

Plakat: Luise Lunemann/Michael Schirok


 

Im Mittelpunkt des Programms steht der Dichter Robert Gilbert (1899 - 1978).

 

(Foto: Ullstein Bilderdienst)

Er hat in den Zwanziger und Dreißiger Jahren mit Komponisten wie Hanns Eisler und Werner Richard Heymann zusammengearbeitet. Die Erfolgsschlager 'Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn', 'Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen', 'Irgendwo auf der Welt', 'Ein Freund, ein guter Freund' u.v.a. gehen auf sein Konto und gleichzeitig - unter dem Pseudonym David Weber - massenwirksame Politsongs. Besonders bekannt sind hier das 'Stempellied', 'Die Ballade von der Krüppelgarde' und das geniale Chorstück 'Auf den Straßen zu singen' - in allen Fällen mit Eislerscher Musik.

 

Zeichnung Fritz Eichenberg
 
'... die Nation ist aufgebrochen
wie ein Pestgeschwür.'

(aus: Gilbert 'Aufbruch der Nation 1933)

 

Zeichnung: Fritz Eichenberg 'Stempellied':
'Keenen Sechser in der Tasche, bloß'n Stempelschein,
durch die Löcher der Kleedasche kiekt de Sonne rein'.

 

Darüberhinaus hat er fast alle wichtigen amerikanischen Musicals ins Deutsche übersetzt ('My fair Lady', 'Annie get your gun', 'Cabaret' usw.), zahllose Gedichte geschrieben, viele davon im berlinerischen Jargon. Hannah Arendt rühmt an ihm die 'Fazilität des Reimens', hält viele seiner Lieder der Aufnahme in ein neues 'Des Knaben Wunderhorn' für würdig und nennt ihn den 'Nachfolger, den Heine nie gefunden hat'.

Der Konzertabend spannt den Bogen von den bekannten Songs des Autors hin zu Eigenvertonungen bisher nicht vertonter Gedichte. So entsteht ein biografischer Bogen, der zwischen den Liedern von zwei professionellen Schauspielern mit Texten und Szenen angereichert wird. So wird Leben und Wirken des Robert Gilbert lebendig.

Die Spannweite reicht von energiegeladenden antimilitaristischen und antifaschistischen Songs bis hin zum Edelkitsch des 'Weißen Röss'l', vom Arbeitslosensong zum UFA-Hit, von dem berlinernden Gedicht 'Molle bleibt Molle' bis zum resignativen Aphorismus seiner späten Jahre. Ein Wechselbad der Stile und Gefühle also - und damit typisch 'Heuler'!

Die Uraufführung findet am 11. 11. um 18 Uhr in der Konzertaula Kamen statt.

Es wirken mit: Freya Deiting (Violine), Sandra Horn und Nico Wellers (Trompete), Ralf Kiwit (Saxophon), Joel Dahlhoff (Xylophon, Percussion), Alexander Litowski (Piano), Eric Richards (Kontrabass)

und

Holger Woltering (Bariton)

sowie Barbara Blümel (Kammerschauspielerin, Dortmund) und Michael Kamp (Schauspiel Bochum) Rezitation

des weiteren

der Chor 'Die letzten Heuler' und Solisten aus dem Chor.

 

Programmfolge:

Die Ballade von der Krüppelgarde

(Musik: Hanns Eisler - Chor)

Auf den Straßen zu singen

(Musik. Hanns Eisler - Chor)

Irgendwo auf der Welt

(Musik: Werner Richard Heymann - Chor)

Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen

(Musik: Werner Richard Heymann - Chor)

Stempellied

(Musik: Hanns Eisler - Solo und Chor)

Im Weißen Rössl

(Musik: Ralph Benatzky - Soli und Chor)

Im Salzkammergut

(Musik: Ralph Benatzky - Soli und Chor)

Aufbruch der Nation (1933)

(Musik: Reinhard Fehling - Chor)

Abschied von Berlin

(Musik: Reinhard Fehling - Solo und Chor)

Pause

Sonntagslatscher

(Musik: Reinhard Fehling - Solo und Chor)

Aufstand der Musike

(Musik: Reinhard Fehling - Solo und Chor)

Da wär's halt gut, wann mer Englisch könnt'

(Musik: Hermann Leopoldi - Solo)

Alles, was du kannst

 aus: Annie, get your gun (Musik: Irving Berlin - Duett)

Andante Cantabile

 (Musik: Reinhard Fehling - Solo und Chor)

Bilder einer Einstellung

 (Musik: Reinhard Fehling - Solo und Chor)